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15. Mai 2017

Veltlin

Lassen Sie sich von der Vielfalt und Qualität überraschen.

Die steilen Terrassen des Veltlin werden nur noch von etwa zwei Dutzend Kellereien bearbeitet (Bild: Flickr/derUltes).

Lange war der Veltliner bekannter und beliebter Wein der Schweizer, ein einfacher Tischwein in der ehemals unprätentiösen Literflasche als Hauswein zuwege oder als Vierteli zum Feierabend getrunken, ein eher dünner Wein und etwas rau, mit viel Gerbsäure. Daraufhin ist der Veltliner sozusagen von der Bildfläche verschwunden. Was aber eigentlich schade ist, denn das Veltlin hat einiges zu bieten und ist ein unterschätztes Anbaugebiet mit einer langen Weingeschichte.

Bereits vor mehr als 2000 Jahren entstand am südlichen Alpenhang eines der grössten terrassierten Weinbaugebiete der Welt. Abertausende von Steinen wurden in über 2500 Kilometern Trockenmauerwerk verbaut und sind noch heute Herzstück und prägendes Landschaftsmerkmal im langen Tal. So schön wie sie anzusehen sind, so aufwändig sind sie in der Bearbeitung, alles muss von Hand gemacht werden. Deshalb ist wohl auch die Rebfläche seit den 50er Jahre kontinuierlich zurück gegangen, die Jungen kehrten der anstrengenden Landwirtschaft zu Gunsten der Industrie den Rücken. Nur noch etwa zwei Dutzend Kellereien bearbeiten die steilen Terrassen. Die Weine aber haben es je länger je mehr wieder in sich, wer sich an ihre Verkostung macht, wird nicht selten von der Vielfalt und der Qualität überrascht und begeistert sein.

Zu einer gewissen Berühmtheit gebracht hat es der Valtellina Sforzato. Seit 2003 ist er stolzer Besitzer einer DOCG-Auszeichnung. Er wird ähnlich hergestellt wie ein Amarone, besteht aber zu 100 Prozent aus Chiavennasca. Und man höre und staune: Chiavennasca ist nichts anderes als Nebbiolo, die gleiche Traubensorte wie die der teuren piemontesischen Barolos. Die ausdrucksstärksten Weine stammen aus Einzellagen und werden von Hand gepflegt und gelesen. Danach lassen die Winzer einen Teil ihrer Trauben vor der Weiterverarbeitung erstmal für mehrere Wochen auf dem Dachboden antrocknen, um die Inhaltsstoffe zu konzentrieren. Und der Wein wird für etliche Monate im Holzfass ausgebaut. Das macht ihn sehr dicht, böse Zungen munkeln, es mache ihn zu schwer, mit überreifen Fruchtkomponenten. Neuerdings wird er deshalb oft nur noch zu einem Teil aus getrockneten Trauben fabriziert und erhält dadurch mehr Eleganz und frische Frucht. Sie sehen: Alles in allem ist der Veltliner auf jeden Fall einen zweiten Blick wert, wagen Sie den Versuch.

Und noch eine Anmerkung zum Schluss: Grüner Veltliner hat überhaupt nichts mit der Region Veltlin zu tun. Dabei handelt es sich um einen Weisswein, der vor allem im eher südlichen Teil Österreichs angebaut wird.

Ihr persönlicher Sommelier-media-2

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