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24. November 2017

Medaillenregen und Punkterausch

Sie schiessen wie Pilze aus dem Boden und verwirren oft mehr als sie helfen: Weinprämierungen mit Medaillen, Punkten oder Gläsern. Licht ins Dunkel gibt vor allem eines: Zutrauen in den eigenen Geschmack.

AxxG

(Bild: Flickr/AxxG)

Herbstzeit ist Erntezeit, nicht nur für Trauben sondern auch für die vielen Auszeichnungen von Weinen. Und diese haben es in sich. Es gibt so viele so verschiedene Prämierungen, dass man nicht nur den Überblick sondern auch total den Durchblick verlieren kann. Welche von den unzähligen Medaillen und Punkten sind denn nun wirklich aussagekräftig? Und welche dienen mehr der Flaschendekoration als der Beschreibung des Inhalts? Welche sind verdient und welche sind erkauft? Denn wie überall gibt es auch hier schwarze und weisse Schafe, einige Label streuen recht willkürlich und vor allem sehr grosszügig ihre Medaillen über die eingereichten Weine. Eine Faustregel besagt: Je höher der Anteil an prämierten Weinen im Verhältnis zu allen eingereichten Weinen ist, umso weniger wert sind die Medaillen. Also je grosszügiger Auszeichnungen verteilt werden, umso geringer ist ihre Strahlkraft. Denn Prämierungen sollen ja helfen, etwas die Spreu vom Weizen zu trennen, sozusagen. Sie sollen Produzenten belohnen und motivieren, sie sollen Weine vergleichbar machen und sie sollen einem Interessenten eine Hilfe beim Weinkauf sein. Wenn Sie sich etwas schlau machen möchten zu ein paar renommierten Auszeichnungen, finden Sie untenstehend einen kleinen Überblick, natürlich nicht mit dem Anspruch auf Vollständigkeit.

Wir finden: Gold wert ist nicht die Medaille auf dem Wein sondern Ihr persönlicher Geschmack. Hohe Punkte bedeuten nicht automatisch auch hohen Trinkgenuss, denn Ihre Vorlieben können ja ganz woanders liegen. Deshalb: Verlassen Sie sich auf den eigenen Gaumen, seien Sie neugierig und probieren Sie aus. Denn keine Jury der Welt kann Ihnen sagen, wer Ihre persönlichen Gewinner sind.

Eine Auswahl anerkannter Prämierungen:

Der Grand Prix du Vin Suisse ist die grösste Prämierung der Schweizer Weine. Beurteilt werden über 3000 Weine, während sechs Tagen werden sie von einer Jury aus 150 Köpfen degustiert. Vergeben werden Gold- und Silbermedaillen in 12 Weinkategorien.
Eigentlich ist der rote Krebs gar kein Buch sondern ein ganzer Verlag. Aber der Weinführer Vini d’Italia ist mittlerweile so berühmt, dass man vom

Gambero Rosso spricht, wenn man die Weinbibel meint. Er gilt als Standardwerk für den italienischen Wein. Bewertet werden die Vini d’Italia mit Gläsern. Gute Weine erhalten ein Glas, sehr gute zwei Gläser. 3 Gläser sind nur den besten vorenthalten. Das 1000 Seiten starke Werk umfasst über 2300 Weingüter und bewertet jährlich 20‘000 Weine. Etwa 400 davon ergattern die Auszeichnung eine 3-Gläser-Bewertung. Zusätzlich zu den Bewertungen für Einzelweine summiert der Gambero Rosso die 3-Gläser-Wertungen pro Weingut über die Jahre und erstellt so seine Gesamtbewertung der Weingüter. 10 mal 3 Gläser ergeben einen roten Stern. Aktueller Spitzenreiter im Gambero Rosso ist der Ausnahmewinzer Angelo Gaja, Piemont, mit 5 Sternen.

Robert Parker wird DER Weinpabst genannt, mit seinem Wine Advocate gilt er als einer der einflussreichsten Weinkritiker. Seine Weinskala reicht von 50 bis 100 Punkten. Weine in den 80er gelten als überdurchschnittlich, 90-95 Punkte sind hervorragendeTropfen und was darüber liegt gilt als aussergewöhnlich. 100er Weine sind so selten, dass sie geschichtsträchtige Jahrhundertweine werden. Die Bewertung mit Parkerpunkten gilt noch immer als Verkaufsgarant und hat einen grossen Einfluss auf die Nachfrage und den Preis

Das Decanter Magazine richtet jährlich die Decanter World Wine Awards aus. Das weltweit vertriebene Magazin zählt zu den renommiertesten Weinmagazine und gilt als Pflichtlektüre. Zu den Awards werden tausende Weine eingereicht. Jeder muss eine vorläufige Bewertung bestehen, bevor er in die offizielle Phase aufgenommen wird. Ein Bewertungsteam aus den besten Winzern, Weinhändlern und Weinkritikern nimmt die Punktvergabe vor. Diese erfolgt zweigleisig, im 20-Punkte-Schema und im 100-Punkte-Schema, damit sich alle Leser zurecht finden.

Decanter Gold: 18,5 – 20 Punkte/ 95 – 100 Punkte
Decanter Silber: 17 – 18,4 Punkte/ 90 – 94 Punkte
Decanter Bronze: 15,5 – 16,9 Punkte/ 85 – 89 Punkte
Decanter Commended: 14,5 – 15,4 Punkte/ 81 – 84 Punkte

Weine, die zwar ohne Medaille aber aufgrund ihres einzigartigen und spannenden Charakters als empfehlenswert angesehen werden, bekommen eine „Empfehlungs“-Medaille.

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