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31. Oktober 2016

Barbaresco

Er ist viel umschwärmt, der kleine Bruder des Barolo. Und damit unbestritten auch ein königlicher Wein!

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Die Nebeltraube reift erst spät, erst wenn die ersten Nebel durch die Rebberge ziehen. (Flickr/Francesco Sgroi)

 

Nur gerade mal 20km Luftlinie trennen die beiden grossen Nebbiolo-Weine Barolo und Barbaresco. Das 700-Seelen-Dorf liegt ca. 5km nordöstlich der Stadt Alba am Fluss Tanaro. Barolo und Barbaresco sind beide stolze Piemonteser, mächtige, sortenreine Weine aus der Nebeltraube, die erst spät reift, dann wenn bereits die ersten Nebel durch die Rebberge ziehen. Daher wird der Barbaresco auch oft als kleiner Bruder des Barolo bezeichnet und die beiden Weine sind nicht nur über die gleiche Traubensorte verbunden. Aber der Grosse, der Barolo, ist gewichtiger, er hat die längere Tradition, hat strengere Regeln und ein grösseres Anbaugebiet. Der kleine Bruder ist etwas weniger wuchtig und zu Unrecht auch etwas weniger berühmt. Auch er ist ein edler Wein, trocken ausgebaut, aufgrund der tieferen Lage seiner Hügel reift er etwas schneller und seine Böden haben eine andere Mineralität als der Barolo. Damit ist er weniger tanninbetont, samtiger und leichter zugänglich.

Als Geburtsstunde des Barbaresco gilt die Gründung der Cantina Sociale di Barbaresco im Jahre 1894, als die zusammengeschlossenen Produzenten erste Weine mit dem Namen Barbaresco auf den Markt brachten. Zuvor flossen die Nebbioloernten der Region in den nahen Barolo. In den 1920er Jahren aber musste die Cantina schliessen, die Reblaus und die Wirtschaftskrise nach dem ersten Weltkrieg forderten ihren Tribut. Erst 1958 entstand mit der Genossenschaft Produttori del Barbaresco eine neue Gemeinschaft, die heute 60 Mitglieder zählt und die mehr als die Hälfte des Gebietes bewirtschaften. Als erstes Weinanbaugebiet Italiens hat die DOCG Barbaresco 2007 eine gesetztlich festgelegte Lagenkartografie eingeführt, der Barolo folgte damit erst drei Jahr darauf. Die Genossenschaft gehört zu den bedeutendsten Winzervereinigungen Italiens. Viel dazu beigetragen hat da auch ein bekannter Name im italienischen Wein: Angelo Gaja. Als innovativer und tatkräftiger Spross in vierter Generation des gleichnamigen Weingutes steht er für Moderne, er hat den Barbaresco sozusagen aus dem Dornröschenschlaf wach geküsst. Mit ihm zog frischer Wind in die Keller, er kelterte Einzellagen, baute in französischen Barriques aus und brachte Weine mit internationalen Rebsorten auf den Markt, die weltweit Aufsehen erregten. Der Name Barbaresco wurde zu einem Qualitätsprädikat.

Das Anbaugebiet des Barbaresco ist winzig und besteht nur aus 500 Hektaren, mit den drei Dörfchen Barbaresco, Neive und Reiso. Laut DOCG-Bestimmungen muss ein Barbaresco mindestens 26 Monate ausgebaut werden, davon neun im Holzfass. Eine Riserva lagert sogar 50 Monate, bevor sie verkauft werden darf. Mit ca. 10 bis 15 Jahren hat er ein geringeres Lagerpotenzial als der Barolo, und nach 5 Jahren Reifezeit ist er perfekt. Der kleine Königsbruder besticht durch seine Ausgewogenheit von Alkohol, Tannin und Säure, einem feinen Beerenaroma und einer hellen, orangeroten Farbe. Jetzt, wo die Tage kürzer werden und die ersten Nebel durchs Land ziehen, ist doch eine gute Zeit für den Kleinen Nebelwein.

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